VASOSPASTISCHES SYNDROM
(idiopatisches bzw. essentielles und symptomatisches vasospastisches Syndrom)
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Der Begriff

Der Wortteil "vaso" bedeutet Gefäße (gemeint sind Blutgefäße), "spastisch" bedeutet "krampfend, krampfartig" und damit "verengt" und unter einem Syndrom versteht man ein stets mit etwa den gleichen Kran kheitszeichen einhergehendes Kran kheitsbild, meist unbekannter oder vieldeutiger Ursache.

Synonyme (= weitere Bezeichnungen für die gleiche Kran kheit): Rayn aud-Syndrom, Ischäm ie- oder ak rales Ischäm iesynd rom bezeichnet.

Beim Betrachten dieser Bilder wird verständlich, warum die Kran kheit teilweise auch als Le ichen finger oder Digi tus mortu us
 
(= Tot enfinger) bezeichnet wird.

Bildquelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Ray naud-Syn drom

 

Die Bezeichnungen Rayna ud-Syndrom oder Ischäm ie-Syndrom werden im weitesten Sinne für alle akralen (= das äußere Ende betreffenden) Durchblutungsstörung en an Händen oder Füßen benutzt, im engeren Sinne für funktionelle Durchblutungsstörungen (vasospastisches Syndrom), verursacht durch eine überschießende, funktionelle Gefäßverengung durch muskuläre Kontraktion (= Verengung, Zusammenziehen) der Tunica media (= mittlere Muskel wandschicht einer Schlagader), insbesondere an Finger - und Zehen arterien.

Ein vasospastisches Syndrom tritt in zwei Formen auf: 

1.    Idiopathisches bzw. essentielles vasospastisches Syndrom - Eine Grunderkrankung kann nicht aufgedeckt werden, weshalb dieses Syndrom als pri mär, idiopathisch oder auch essentiell bezeichnet wird. In typischer Weise tritt diese Form symmetrisch auf, wobei meist Daumen oder Groß zehen ausgespart bleiben. Die Langzeitprognose (= Vorhersage über den wahrscheinlichen Verlauf und Ausgang einer Kran kheit über einen längeren Zeitraum) ist beim idiopathischen Syndrom gegenüber der symptomatischen Form als günstiger zu bezeichnen.

2.     Ein seku ndäres vasospastisches Syndrom, auch als symptomatisches (= infolge einer anderen Er krankung auftretender) bezeichnet, ist gekennzeichnet durch einen (meist) asymmetrischen (= ungleichen) Befall von Händen und Füßen

Ein symptomatisches vasospastisches Syndrom kommt als Begleiterkrankung bei  Arteriopathien (= Erkrankungen der Schlagader), Kollagenosen (= Defekt im Immunsystem mit Bindegewebsverhärtung), chronischer Traumatisierung (= zu einer Störung/Er krankung führende Einwirkung) und Vergiftungen (hpts. Ergotamin, aber auch Arsen und Blei) vor.

Meist tritt ein vasospastisches Syndrom anfallsartig in drei Phasen auf. Zunächst sind die Finger / Ze hen blaß bzw. weißlich, dann kommt es zu einer Zyanose (= bläuliche Verfärbung) und als Zeichen einer reaktiven (= in Beantwortung eines körperlichen Reizes erfolgenden) Hyperämie (= vermehrte Blutfülle) stellt sich dann später eine Rötung ein.

In manchen Fällen bleibt die Abblassung aus. Schmerzen können sowohl in der ersten als auch in der zweiten Phase auftreten. Im fortgeschrittenen Stadium bestehen nicht selten Dauerschmerzen.

Schreitet ein vasospastisches Syndrom fort, kann es zu Wachstumsstörungen der Nägel sowie Absterben der Fingerkuppen kommen. Die Langzeitprognose (= Vorhersage über den wahrscheinlichen Verlauf und Ausgang einer Kran kheit über einen längeren Zeitraum) hängt von einer evtl. vorhandenen Grunderkrankung ab.

Therapie beim vasospastischen Syndrom:

Im Vordergrund steht zunächst einmal die kausale (= ursächliche) Behandlung einer möglichen Grunderkrankung, die ein symptomatisches, vasospastisches Syndrom auslöst.

Bis eine solche Therapie greift, wird man (auch bei der idiopathischen Form) symptomatisch (= nur auf die Kran kheitszeichen bezogen) durchblutungsfördernde Mittel wie Naftidrofuryl, Pentoxifyllin oder Buflomedil versuchen, in den letzten Jahren auch zunehmend das Prostaglandin E1-Analogon Alprostadil.

Zur Behandlung weiterhin bestehender Schmerzen hat sich die therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) in Form längerfristiger (2 bis 3 Wochen), kontinuierlicher Blockaden (= Betäubungen) mit Katheter (*siehe unten) sehr bewährt.

Für die oberen Extremitäten (= Arme) eignet sich die kontinuierliche Blockade des Plexus brachialis (= Armnervengeflecht). Da der Plexus brachialis reich an vegetativen (= das unwillkürliche Nervensystem betreffend) Nervenfasern ist, tritt neben der nozizeptiven (= die Schmerz reizleitung betreffenden) Hemmung auch eine ausreichende sympathikolytische (= gefäßerweiternde) Wirkung ein.
Bei herabgesetzter Lokalanästhetika
konzentration (z.B. 10 bis 15 ml Bupivacain, 0,1 bis 0,15%) bleibt die Motorik (= Muskelkraft) erhalten, so daß begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen für die Hände möglich sind (trainingshalber auch mit Kälteexposition). 
Die Methode kann zeitgleich beiderseits durchgeführt werden, aus Sicherheitsgründen sollte bei repetitiver Applikation
(= wiederholter Einzelverabreichung) diese alternierend (= im Wechsel) erfolgen.
Eine weitere Therapiemöglichkeit ist die Blockade
(= Betäubung) des Ganglion stellatum in gehäufter Abfolge, optimal in kontinuierlicher Form mit Katheter*.

Für die distalen unteren Extremität en (Füße) eignet sich die kontinuierliche Blockade des N. ischiadicus mit Katheter* (Klatt et L eser 1994 - Schmerzkl inik Bad Mergen theim). Auch dieser Nerv führt vegetative Fasern mit sich, so daß hier ebenso die gewünschte sympathikolytische (= gefäßerweiternde) Wirkungen eintritt, wenn auch nicht so ausgeprägt wie beim Plexus brachialis.

Diese kontinuierlichen Blockaden bewirken beim vasospastische n Syndrom eine Art Gefäßtraining, wodurch sich die ursächliche Engstellung der Gefäße wieder normalisiert.

Die Durchführung kontinuierlicher Blockaden mit Katheter* erfordert in der Regel einen stationären Aufenthalt.

Begleitend hat sich auch eine Infusionsserie mit Lidocain (2%-ig) (= ein mittellang wirkendes, örtliches Betäubungsmittel) als hilfreich erwiesen. Dabei werden unter Puls- bzw. EKG-Kontrolle (Monitor) in aufsteigender Dosierung jeweils 50, 100 u. 150 mg gelöst in 200 ml Kochsalz 0,9% mit Hilfe einer Infusionspumpe (z.B. Infusomat) innerhalb eine Stunde verabreicht, wobei sicherheitshalber ein Abstand von 24 Stunden zwischen den einzelnen Infusionen eingehalten werden sollte.

Man kann Lidocain auch serienmäßige mittels intraarterieller Injektionen (= Spritzen in eine Schlagader) in die A. femoralis oder A. brachialis (= Bein- oder Armschlagader) verabreichen, je nach Lokalisation (= Ort, Körperstelle) der Schmerzerkrankung, so z.B. 2-3 mal täglich 1-1,5ml (= 20-30 mg) im Abstand von 8-12 Stunden über 10 Tage. Dabei gelangt das örtliche Betäubungsmittel in die sog. Endstrombahn und führt dort zu der gewünschten Gefäßerweiterung (Sympathikolyse) bei gleichzeitiger Schmerz linderung. Selbst wenn die Blutader nicht genau getroffen wird, tritt trotzdem eine gefäßerweiternde Wirkung ein, da um das Blutgefäß herum sympathische (= Teil des unwillkürliche Nervensystem betreffende) Nervenfasern verlaufen. Aus diesem Grunde wird in der klassischen Neuraltherapie bewußt um das Gefäß herum infiltriert.

Manche Autoren empfehlen sog. Sympathikusblockaden mit Guanethidin. Der Wirkstoff findet auch zur Behandlung eines Bluthochdrucks Verwendung. Der Wirkmechanismus beruht auf der Verminderung der Freisetzung des Botenstoffs Noradrenalin aus den Endigungen der Nervenzellen. Vorteil dieser intravenösen Blockademethode (=  das Medikament wird in ein zum Herzen zurückführendes Gefäß eingespritzt, wobei aber z.B. der Arm vorübergehend abgestaut wird) ist, daß die Wirkung bis zu 72 Stunden anhalten kann. Nachteil ist das gegenüber den Nervenblockaden deutlich erhöhte Behandlungsrisiko und die dabei auftretenden Schmerzen.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht "aufgeschnitten" werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das Lokalanästhetikum (= örtliches Betäubungsmittel) völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Nerven betroffen sind, woraus, wie oben schon ausgeführt, eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert. Dies ist der Grund, warum diese Behandlungsmethode besonders bei Schmerzen, die auf eine verminderte Blutversorgung (vasospastisches Syndrom!), auf entzündliche oder auch degenerative Prozesse zurückzuführen sind, sehr hilfreich ist.

Die invasiven (= in den Körper eindringenden) Therapiemethoden der speziellen Schmerztherapie setzen eine sehr gründliche fachärztliche Ausbildung voraus, weshalb sie nur in wenigen therapeutischen Einrichtungen angeboten werden können. Insbesondere sind die kontinuierlichen Blockaden mittels eingepflanztem Katheter in Deutschland nur in ganz wenigen Schmerzzentren (Schmerzkliniken) durchführbar, so z.B. in Bad Mergen theim.

Die Methoden der modernen Schmerztherapie bieten auch optimale Voraussetzungen für eine Anschlußheilbehandlung (AHB) bzw. Anschlußrehabilitation. Mehr darüber erfahren Sie hier: http://www.anschlussheilbehandlung.eu (einfach anklicken).

Zum Schluß noch drei wichtige Hinweise

  1. Sozialgerichte stärken die Rechte von Schmerzpatienten gegenüber den Rentenversicherungen. Danach hat ein Schmerzpatient ein Recht  darauf , in einer schmerztherapeutischen Klinik behandelt zu werden. Hier gelangen Sie zu einem 1. Urteil (Sozialgericht Kassel) (Pressemitteilung dazu: http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=051207009&phrase=schmerzklinik) Mittlerweile gibt es diesbezüglich zwei weitere Urteile, so vom Landessozialgericht Hamburg: www.schmerzklinik.com/sozialgericht2 (Pressekommentar dazu: https://www.pressetext.at/pte.mc?pte=070710027&phrase=Schmerzklinik) und vom Sozialgericht Köln erging eine entsprechende, einstweilige Verfügung in nur 23 (!!) Tagen: www.schmerzklinik.com/sozialgericht3.

  2. Das Bundesministerium für Gesundheit teilt auf der Web-Seite http://www.die-gesundheitsreform.de/gesundheitssystem/themen_az/infoblaetter/rehabilitation/index.html?param=st mit, dass alle gesetzlich Krankenversicherte mittlerweile einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation haben und sich ihre REHA-Klink sogar selbst aussuchen dürfen.

  3. Führen  Krankheiten, also auch chronische Schmerzen, nicht zu einer Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit, so ist laut dem zuständigen Bundesministerium die Krankenkasse selbst Kostenträger und nicht die Rentenversicherung. Auch ist die Krankenkasse selbst Kostenträger, wenn eine Behinderung oder eine Pflegebedürftigkeit droht. Quelle: http://www.die-gesundheitsreform.de/gesundheitssystem/themen_az/infoblaetter/rehabilitation/index.html?param=st

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Die Klinik im Film  - Zu einem 3-min. Fernsehbeitrag über Schmerzbehandlungen gelangen Sie hier (einfach anklicken).

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Aktualisiert: >03.11.2007</> kusb
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N
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Q
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R
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S
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